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    "Etwa wie der Mann, der seinen Schatten verloren hat: er ist für das Licht, das ihn durchläuft, transparent geworden, er wird von allen Seiten erhellt, durch alle Lichtquellen gnadenlos überbelichtet." (Jean Baudrillard, Transparenz des Bösen)

    Der aufklärerischen Position erscheint jedes der Öffentlichkeit unzugängliche Geheimnis als verdächtig. Demnach ist das Geheimnis per se etwas Negatives, das es zugunsten der Transparenz zu überwinden gilt. Vergessen wird dabei oft, dass das Geheimnis oder das Geheimnisvolle in vielfacher Hinsicht konstitutiv ist für die soziale, ökonomische, politische und religiöse Kommunikation. Die Transparenz, die sich ganz verselbständigt und jedes Geheimnis beseitigt, ist nichts anderes als Gewalt. So ist auch die Mission wahlloser Offenlegung aller Geheimnisse eines Julian Assange blind und naiv. Sie vergisst ganz, dass das Geheimnis sowohl zum Politischen als auch zur Diplomatie selbst gehört. Eine wahllose Veröffentlichung aller Geheimnisse zerstört das Politische. Eine pornographische Entblößung der Dinge bringt auch das Erotische und die Verführung überhaupt zum Verschwinden.